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Daniel Hope: "Sounds of Hollywood" – Mehr als ein Blick auf die Filmmusik-Geschichte

15. September 2015 - 14:50 Uhr

Hamburg – Was wären Filmerfolge wie "Ben Hur ", "Krieg der Sterne" oder "Titanic" ohne ihre Musik? Längst hat sich die Filmmusik einen besonderen Status als eigenständiges Genre erarbeitet. Insbesondere Kompositionen aus Hollywood-Produktionen werden gern in Konzerten aufgeführt und im Radio gespielt. Nicht jedem aber ist bekannt, dass ihre Wurzeln in Europa liegen. Konkret waren es vor allem jüdische Künstler, die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nach Amerika zogen, um sich in der kalifornischen Traumfabrik eine neue Existenz aufzubauen.

Daniel Hope

Daniel Hope

Daniel Hope, ein Weltstar unter den Geigern, hat sich auf Spurensuche begeben und mit dem Journalisten Wolfgang Knauer darüber ein informatives Buch verfasst, das einen politischen Hintergrund und eine hochaktuelle Botschaft enthält. "Sounds of Hollywood" ist also mehr als ein Blick auf die Filmmusikgeschichte aus Hollywood. Es war im November 2013, als der 1974 in Südafrika geborene Musiker bei einem Sonderkonzert in Berlin auftrat – zum Gedenken an Künstler, deren Karrieren und Leben vor 75 Jahren nicht nur bedroht, sondern oft auch zerstört wurden.

Mit der sogenannten Reichspogromnacht begann in Deutschland und dann auch in weiten Teilen Europas die "Entjudung". Das Konzert am Brandenburger Tor unter dem Motto "Tausend Stimmen für die Vielfalt" wurde untermalt mit großen Bildprojektionen von eben jenen Künstlern, die über Nacht ihre Heimat verlassen mussten. Hope hatte sich bereits vorher mit diesen Menschen und ihrem Schicksal befasst, denn es ist auch das Schicksal seiner Familie. Nun wollte er mehr wissen, ihren Weg nachvollziehen, den sie in der Fremde gingen.

Und viele dieser Wege führten über den Atlantik nach Hollywood. Die aufblühende Filmwirtschaft verhieß nicht nur emigrierten Musikern Sicherheit und Arbeit. Wissenschaftler, Schriftsteller und Dichter, Regisseure und Schauspieler strandeten ebenfalls zuhauf an den südkalifornischen Gestaden, darunter Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Franz Werfel, Max Reinhardt, Billy Wilder und viele andere.

Doch weder für sie noch für viele Exil-Musiker war es ein leichter Neubeginn. Manche schafften es nie, denn Hollywood wurde mit Emigranten überschwemmt, und Arbeit gab es nicht genug. Zudem fanden einige überhaupt keinen Bezug zum Exil und zum Medium Film, wie Reinhardt, Brecht oder der Komponist Arnold Schönberg. Für Brecht war Hollywood die "Hölle", für Schönberg die "Vertreibung ins Paradies".

Einige der Komponisten, deren Spuren Hope folgte, konnten sich trotz großer Erfolge nie mit Hollywood anfreunden, so Erich Wolfgang Korngold, der lieber nur "ernsthafte" Musik geschrieben hätte. Andere Komponisten wie Max Steiner, der "Vater der Filmmusik", und auch der jüngere André Previn hingegen hatten ihr Metier gefunden. Hope, der sich nicht nur durch die Literatur über die berühmten Musiker arbeitete, sondern auch mit ihnen (Previn), Angehörigen (Schönberg) oder Freunden und Kollegen sprach, trug so für sein Buch auch Anekdoten, Bonmots und zudem ein wenig Klatsch zusammen, was den Unterhaltungswert der flott und locker geschriebenen Lektüre sicherlich steigert.

Dass der Stargeiger den ernsten Hintergrund seiner Recherche dabei nicht aus den Augen lässt, macht das Buch angesichts eines wieder zunehmenden Antisemitismus' und einer nicht zu ignorierenden aufkeimenden Fremdenfeindlichkeit besonders wichtig. "Als Angehöriger einer Familie, die in der Nazi-Zeit das Schicksal der Vertreibung erlitten hat, empfinde ich solche Anzeichen als alarmierend", schreibt Hope, der zuvor bereits zwei Bücher ("Familienstücke.Eine Spurensuche"/2007 und "Wann darf ich klatschen? Ein Wegweiser für Konzertgänger"/2009) mit Wolfgang Knauer verfasste.

"Umso entschiedener engagiere ich mich für den Ruf nach Toleranz, der bei jenem Konzert am Brandenburger Tor zu vernehmen war, als die Musik derer gespielt wurde, die Opfer der Intoleranz wurden." Doch er sehe in den Erfolgen jener Menschen im fernen Amerika, die Bahnbrechendes zuwege gebracht hätten, auch einen Funken Hoffnung, "der Mut auf eine bessere Zukunft macht".

(Von Frauke Kaberka, dpa/MH)

Daniel Hope und Wolfgang Knauer: Sounds of Hollywood. Wie Emigranten aus Europa die amerikanische Filmmusik erfanden
Rowohlt Verlag Reinbek bei Hamburg
336 Seiten
ISBN 978-3-498-03023-0
19,95 Euro

Mehr zu diesem Thema:

Eine kurze Geschichte der Filmmusik (Von Frank Strobel)

Leseprobe:

http://www.rowohlt.de/download/file/row_upload/3277233/LP_978-3-644-04791-4.pdf

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