Barockoper im Stahlpalast: Ruhrtriennale mit Glucks "Alceste" eröffnet

13. August 2016 - 10:21 Uhr

Bochum (MH) – Mit einer einhellig umjubelten Premiere der Barockoper "Alceste" ist die Ruhrtriennale am Freitagabend in ihre 15. Spielzeit gestartet. In der Inszenierung von Festivalleiter Johan Simons sorgte Christoph Willibald Glucks Stück in der Jahrhunderthalle Bochum für dreieinhalb Stunden musikalischen und szenischen Hochgenuss.

"Alceste", Ruhrtriennale 2016

"Alceste", Ruhrtriennale 2016

Schon die Maße sind beeindruckend: 66 Meter lang, 20 Meter breit und 21 Meter hoch. Die Jahrhunderthalle in Bochum ist das imponierende stählerne Zeugnis einer längst vergangenen Industrieepoche. Hier eine Oper zu inszenieren ist eine besondere Herausforderung, akustisch wie szenisch. Johan Simons gelingt dieses Unterfangen. Er hatte sich zur Eröffnung der diesjährigen Festivalsaison getreu dem Ruhrtriennale-Motto "Seid umschlungen" die 1767 uraufgeführte Oper vorgenommen, die die Geschichte der sich für ihren Mann opfernden Königsgattin Alceste erzählt.

Fast zwei Drittel der Halle hat Simons zur Spielfläche umfunktioniert, wahrhaft palastartige Ausmaße also, was in dieser Form kein Opernhaus bieten kann. Das Publikum sitzt an einer Längs- und einer Querseite der Spielfläche, so dass sich das Geschehen teilweise in recht großer Entfernung abspielt. Simons achtet bei seiner weiträumigen Personenführung jedoch darauf, dass jede Ecke der Bühne immer wieder bespielt wird. Zumindest akustisch werden die Solisten dezent verstärkt, um dem raumgreifenden Bühnenkonzept gerecht zu werden.

Ansonsten enthält Simons sich modischer multimedialer Spielchen und szenischer Mätzchen. Die Bühne ist karg möbliert, nur Unmengen von Campingstühlen werden als szenische Hilfsmittel benutzt. Simons setzt stattdessen auf die Eigenkraft des Dramatischen, die sich in dieser Inszenierung nicht zuletzt dank der großartigen schauspielerischen Leistung aller beteiligten zunehmend einstellt.

Das Ensemble überzeugt aber vor allem musikalisch. Die Leitung liegt in den Händen von René Jacobs, der das Orchester B’Rock zu feurigem, über die gesamte Strecke höchst inspiriertem und mitreißendem Spiel anhält. Als Chor fungiert MusicAeterna, Teodor Currentzis' Hausensemble aus dem russischen Perm, mit vokalem Glanz und sonorer Fülle. Das Sängerensemble ist erstklassig besetzt: Birgitte Christensen als Alceste, Thomas Walter als Admeto oder auch Georg Nigl, unter anderem als Herold, bieten Gesangskunst auf ausgezeichnetem Niveau. Ein spannender barocker Opernabend vor kontrastreicher Industriekulisse.

(Von Guido Krawinkel)

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