Stuttgarter Opern-Sanierung: Streit um Ausweichquartier

11. Mai 2018 - 17:15 Uhr

Stuttgart – Bei der geplanten Sanierung der Stuttgarter Oper bahnt sich ein Konflikt zwischen Stadt und Land um das anvisierte Ausweichquartier an. Das Vorhaben, die Oper und das Ballett während des anstehenden Umbaus der bisherigen Spielstätte in einem alten Paketpostamt unterzubringen, stößt infolge der nun bekanntgewordenen Kosten bei der Kommune auf Ablehnung. Das Land hingegen will von dem Standort vorerst nicht abrücken.

Opernhaus Stuttgart

Opernhaus Stuttgart

Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) sagte am Freitag, ein Gutachter habe auf Beschluss des Verwaltungsrats des Staatstheaters geprüft, was ein Umzug in das frühere Paketpostamt bedeuten würde. Daraus lasse sich ableiten, dass der Um- und Ausbau sich auf 116 Millionen Euro belaufe. "Das ist zu viel. Deshalb geht der Standort Paketpostamt nicht als Interim." Schlimmstenfalls würden sich die Kosten auf bis zu 139 Millionen Euro belaufen, wie die "Stuttgarter Zeitung" und die "Stuttgarter Nachrichten" berichteten. Zuvor hatte das Landesamt für Vermögen und Bau die Kosten für das Ausweichquartier während der Sanierung auf rund 55 Millionen Euro geschätzt, diese Zahl aber "nicht belastbar" genannt.

Das Wissenschaftsministerium wies darauf hin, dass nun zum ersten Mal belastbare Zahlen vorlägen. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und Finanzstaatssekretärin Gisela Splett (beide Grüne) erklärten, bei den errechneten Kosten für das Ausweichquartier handele es sich um eine große Zahl. Gleichwohl sei es unerlässlich, sich die Dimension des Projekts bewusst zu machen. Es gehe um einen renommierten Kunstbetrieb und eine Sanierungszeit von mehreren Jahren. Der Kunstbetrieb habe ein Jahresbudget von 110 Millionen Euro. Der Flächenbedarf liege bei rund 40.000 Quadratmetern.

"Es ist mir bewusst, dass derartige Summen eine sinnvolle Nachnutzung nahelegen", sagte Bauer. Unter diesem Aspekt könnte das Paketpostamt aber ein geeigneter und attraktiver Standort für eine Interimsspielstätte sein. Splett meinte, die Anforderungen des Staatstheaters an einen solch komplexen Interimsbau seien hoch. "Wenn wir auch in einem Interim zumindest annähernd die Ausstattung haben wollen, die es im Opernhaus gibt, müssen wir uns auf entsprechende Kosten einstellen." Das Paketpostamt bringe schon wesentliche Faktoren mit, die übrigen könnten dort erfüllt werden.

Der kulturpolitische Sprecher der oppositionellen SPD, Martin Rivoir, sagte: "Jetzt stehen die Verantwortlichen schlicht vor einem Scherbenhaufen und es heißt zurück auf Los." Der Verwaltungsrat der Oper tagt am 18. Mai. Dort soll das weitere Vorgehen beraten werden.

(dpa/MH)

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