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Zölibat-Kritik mit Pergolesi – Geteiltes Echo an Oper Frankfurt

18. Oktober 2020 - 23:16 Uhr

Frankfurt am Main (MH) – Lob und Kritik erntete Regisseurin Katharina Thoma, die am Sonntagabend zwei Werke Giovanni Battista Pergolesis, "La serva padrona" und "Stabat mater" zu einem pausenlosen Doppelabend zusammenfügte, der erstmals an der Frankfurter Oper zu sehen war.

"Stabat mater"

"Stabat mater"

Dass am Ende neben viel Beifall auch ein paar vernehmliche Buhs zu hören waren, hatte sicherlich mit Thomas Deutung des humorvollen Buffa-Teils "La serva padrona" ("Die Magd als Herrin", 1733) zu tun, indem sie die Rolle des heiratsunwilligen, alten Hausherrn Uberto in einen jungen, katholischen Würdenträger umdeutete, der mit seiner Dienstmagd Serpina nicht nur die Wohnung, sondern auch das Ehebett teilt. Ganz im Sinne von "Maria 2.0" fordert Serpina, die bereits Nachwuchs von ihm erwartet, ihre Anerkennung als Ehefrau. Dass Uberto am Ende für Serpina sogar seine Priesterrobe an den Nagel hängt und sich zu ihr und dem Kind bekennt, schien für einige Besucher zumindest diskussionswürdig. Das auch im echten Leben verheiratete kanadische Paar – Sopranistin Simone Osborne und Bassbariton Gordon Bintner – überzeugten mit gewitztem Hintersinn, natürlicher Spielfreude und ihren makellosen Stimmen.

Im sich anschließenden, viel bekannteren "Stabat mater" Pergolesis (1736), weitete sich das von Etienne Pluss gestaltete Priesterzimmer zum sakralen Großraum. Um die beiden Mitglieder des Ensembles, Monika Buczkowska (Sopran) und Kelsey Lauritano (Mezzosopran), die ergreifend von den Schmerzen der Gottesmutter Maria für ihren sterbenden Sohn sangen, versammelte Thoma eine Gruppe stummer Versehrter: Eine Prostituierte, einen Flüchtling, Obdachlose, ballspielende Kinder und das Paar Serpina-Uberto samt Nachwuchs aus dem ersten Teil. Dem stummen Diener Vespone (Schauspieler Frank Albrecht, der im ersten Teil mit pantomimischem Geschick das Liebesdurcheinander kommentiert), kommt im "Stabat mater" als freie Assoziation die Rolle des Gekreuzigten zu.

Viel Applaus erhielt auch der musikalische Leiter Karsten Januschke, der beide so unterschiedliche Werke mit federnder Präzision dirigierte. So wusste er die vorklassische Psychologie der "Serva Padrona" ebenso stilsicher zu interpretieren wie die liturgische Inbrunst des "Stabat mater".

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(bb/wa)

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