K wie Küchenklavier

31. Juli 2013 - 10:01 Uhr

Bei einem Küchenklavier handelt es sich keineswegs um die aufrecht stehende Version des Küchenflügels. Auch ist es kein Musikinstrument, das Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit vertragen würde. Tatsächlich ist das Küchenklavier – ein Kochherd. Aber nicht irgendeiner.

"piano de cuisine"

Zugegeben, die deutsche Form "Küchenklavier" ist weniger gebräuchlich. In der Regel spricht man französisch vom "piano de cuisine". Über die Herkunft und Bedeutung dieses Begriffs kursieren unterschiedliche Vermutungen: Der große, schwere Herd sei das Statussymbol der Küche, genau wie das Klavier im Wohnzimmer, meinen Einige. Andere erinnert die glatte Oberfläche des "Küchenklaviers" an die italienische "piano di lavoro" – "glatte Arbeitsfläche".

Tatsächlich meint man mit "piano de cuisine" die Herde der französischen Firma Molteni. Die Manufaktur wurde 1923 von dem Italiener Joseph Molteni gegründet. Jedes Gerät wird bis heute von Hand nach Kundenwunsch maßgefertigt. Die 17 Mitarbeiter produzieren etwa 150 Stück im Jahr. Die Herstellung eines 1.000 Kilogramm schweren Herdes dauert rund acht Wochen, hinzu kommen drei Tage für die Anlieferung und den Aufbau. Die Preise von 100.000 Euro und mehr zahlen vorwiegend Spitzenköche. Lediglich 60 deutsche Privathaushalte verfügen über ein "Küchenklavier".

An einem Molteni-Herd betätigt man keine Schalter zur Temperaturregelung, sondern schiebt die Töpfe und Pfannen auf einer gusseisernen Glühplatte in verschiedene Wärmebereiche. In der Mitte herrschen bis zu 350 °C, ideal zum Kochen und Braten. Nach außen sinkt die Temperatur der Oberfläche, die Randzonen eigenen sich zum Nachgaren oder Warmhalten.

Kein Geringerer als der französische König der Köche Paul Bocuse hat den Begriff "piano de cuisine" geprägt, weiß Manfred Mill von Molteni Deutschland: "An einem Molteni zu kochen ist wie einem Klavier die höchste Tonbrillanz zu entlocken", erklärte Bocuse, der Begründer der "Nouvelle Cuisine" und bekennende Musikfan, Anfang der 1970er Jahre bei einem Besuch im damaligen Molteni-Werk in St. Uze bei Lyon.

(wa)

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Link:

http://www.molteni.de/

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