Frankfurt am Main (MH) – Andrea Breth verwandelte ihr spätes Debüt an der Oper Frankfurt am Sonntagabend in einen veritablen Musiktheatertriumph. Von stehenden Ovationen gefeiert, zeigte die 73-jährige Regielegende in nahtloser Übereinkunft mit Generalmusikdirektor Thomas Guggeis ihre zwingende politische Sicht auf Puccinis "Turandot".
Unterstützt von drei japanischen No-Tänzern drängt sie dabei Chöre und Solisten in Turandots maskenhaft zelebrierte, durchgängig ritualisierte Unfreiheit. Nicht der tyrannischen Prinzessin gehört in ihrer Torso-Version der letzte Auftritt, sondern der mitfühlenden Sklavin Liù nach ihrer Selbstmordarie. Bereits das zu Beginn uraufgeführte Auftragswerk "Io tacerò" von Lucia Ronchetti, das dieser Premiere als Vorspann vorangestellt ist, bezieht sich mit seinem eindrucksvoll gestammelten Chor-Lamento auf den späteren Opfertod der Liù.
Korrespondierend taucht Johannes Leiacker die Bühne in reduziertes Schwarz-weiß und zeigt Menschenkäfige, Gefängnisfluchten und permanente Verhörsituationen. Mit Rollendebütantin Elza van den Heever in der Titelpartie und Alfred Kim als Calaf kehrten zwei internationale Sängerstars triumphal an ihr einstiges Stammhaus zurück. Während es Guanqun Yu eindrucksvoll gelang, die tiefe Menschlichkeit der Liù inmitten der Mord-Maschine zu beglaubigen. Als kafkaeske Schreibtischtäter choreographiert gelangen den Ensemblemitgliedern Liviu Holender, Magnus Dietrich und Michael Porter (Ping, Pang und Pong) herausragende Rollendebüts. Großen Jubel erntete auch das mit glitzernder Düsterheit auftrumpfende Frankfurter Opern- und Museumsorchester und der exzellent disponierte Chor, Kinder- und Extrachor.
© MUSIK HEUTE. Alle Rechte vorbehalten – Informationen zum Copyright
(bb/wa)
Mehr zu diesem Thema:
➜ Weitere Artikel zur Oper Frankfurt
Link: