Berlin (MH) – Ein nebelverhangener Wald und an Haken herabhängende Wolfskadaver bilden die unheimliche Kulisse für Matthias Pintschers Oper "Das kalte Herz". Die Uraufführung unter Leitung des Komponisten wurde am Sonntag in der Berliner Staatsoper vom Publikum begeistert gefeiert.
In zwölf farbenreichen Bildern wird das gleichnamige romantische Märchen von Wilhelm Hauff in die heutige Gegenwart übertragen. Das Libretto stammt von dem Pianisten und Lyriker Daniel Arkadij Gerzenberg, Regie führt der Amerikaner James Darrah Black.
Peter opfert sein Herz – anders als in Hauffs Märchen nicht aus Gier nach Reichtum, sondern um sich von inneren Ängsten zu befreien. Stattdessen lässt er sich einen Stein in die Brust setzen. Eindrücklich meisterte der Bariton Samuel Hasselhorn die herausfordernde Rolle des Protagonisten. Seine Mutter verkörperte bravourös die Mezzosopranistin Katarina Bradić, die Partie seiner Geliebten Clara sang die hervorragende Sopranistin Sophia Burgos.
Wie Pintscher und Gerzenberg vorab in Interviews erklärten, erfanden sie ausgehend vom Bild des Herzenstausches eine eigene Geschichte, die Hauffs Märchen als Inspirationsraum nutzt.
Die Musik ist zugleich feingliedrig und opulent. "Ich habe ein Werk geschrieben, das sich an dem langsamen Glühen von Wagner-Opern orientiert und zugleich eine Mikrokomplexität in der Klangsprache aufweist", sagte Pintscher dem "Tagesspiegel".
Auf der mythologischen Ebene kam das Ägyptische Totenbuch ins Spiel. Die Mezzosospranistin Rosie Aldridge trat als – hier weiblicher – Totengott Anubis auf und begehrte Peters Herz. Pintscher ließ sich in einer Szene von der Videoinstallation "Anubis" der israelischen Künstlerin Michal Rovner inspirieren, die Schakale bei Nacht zeigt.
Als gefallener Engel Azaël, der Peters Mutter in die Rolle von Anubis schlüpfen und sie selbst das Herz des Sohnes entnehmen lässt, war die bekannte Schauspielerin Sunnyi Melles in einer Sprechrolle zu erleben.
Pintschers drittes abendfüllendes Musiktheaterwerk, das rund hundert Minuten dauert, entstand als Kooperation zwischen der Staatsoper und der Opéra-Comique in Paris. Nach fünf Aufführungen in Berlin wird die Oper im März drei Mal in der französischen Hauptstadt auf dem Programm stehen.
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(ck/wa)
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