Düsseldorf/Berlin (MH) – Der Menschenrechtspreis der Tonhalle Düsseldorf 2026 geht an die sudanesische Frauenrechtlerin Salwa Elsadik. Die Wissenschaftlerin leiste mit ihrer Women Advocacy and Develepment Initiative (WADI) im Sudan humanitäre Hilfe, teilte das Haus am Freitag mit. Einen erstmals ausgelobten, undotierten Solidaritätspreis erhält der Bildhauer Jacques Tilly.
WADI setze sich für Krisenhilfe, Friedensförderung und den Schutz insbesondere von Frauen und Mädchen ein, hieß es. Nach dem Zusammenbruch staatlicher Institutionen und angesichts schwindender internationaler Entwicklungshilfe trügen Initiativen wie WADI heute maßgeblich die Verantwortung für humanitäre Versorgung, darunter Zugang zu Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und Notunterkünften.
"Viele Krisen und Kriege weltweit werden von der westlichen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Was im Sudan seit Jahren geschieht, dürfen wir nicht vergessen", erklärte der Chefdirigent der Düsseldorfer Symphoniker, Ádám Fischer. Der Ungar, der die Empfänger des mit 10.000 Euro dotierten Preises jeweils selbst auswählt, engagiert sich seit Jahren für Freiheit und Menschenrechte. Er habe großen Respekt vor Elsadik, "die trotz Gewalt und politischer Instabilität weiterhin für Gleichberechtigung und Menschenrechte kämpft und sich dafür einsetzt, dass Frauen am Friedensprozess und am gesellschaftlichen Wiederaufbau ihres Landes beteiligt werden".
Der Bildhauer Tilly gestaltet seit den 1980er-Jahren die politisch-satirischen Mottowagen des Düsseldorfer Rosenmontagszugs. In Russland wurde Ende 2025 gegen ihn ein Strafverfahren wegen Verunglimpfung russischer Staatsorgane eröffnet. Nach russischem Recht drohen dafür Geld- oder mehrjährige Freiheitsstrafen. "Als Künstler muss ich gegen die Verfolgung von Künstlern aufstehen", betonte Fischer. "Ich bewundere die Klarheit und Entschiedenheit von Jacques Tilly und seiner Kunst. Sie gehört geschützt, nicht angeklagt."
Die Auszeichnungen werden am 29. März im Rahmen des Menschenrechtskonzerts in der Düsseldorfer Tonhalle verliehen. Elsadik und Tilly sollen die Preise persönlich entgegennehmen. Fischer dirigiert bei dem Konzert die Düsseldorfer Symphoniker. Auf dem Programm steht die 2. Symphonie von Johannes Brahms.
Der Menschenrechtspreis wird seit 2016 verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen die Organisation "Ärzte ohne Grenzen", die Ärzteinitiative "Praxis ohne Grenzen", der Wiener Verein Mimikama, die Bewegung "Fridays for Future", der russische Historiker und Menschenrechtler Sergej Lukaschewski sowie zuletzt die palästinensisch-stämmige Jouanna Hassoun und den Deutsch-Israeli Shai Hoffmann.
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(wa)
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