Piano Battle: Klassischer Klavierwettstreit im modernen Gewand

14. August 2012 - 11:07 Uhr

Richtig neu ist die Idee nicht. Händel und Scarlatti maßen sich schon 1709 am Cembalo und der Orgel, Endstand war 1:1. Mozart gewann 1781 einen Pianisten-Wettstreit gegen Clementi. Und das Klavier-Duell zwischen Liszt und Thalberg 1837 war ein gesellschaftliches Großereignis. Heute heißt so etwas "Piano Battle". Und wenn es richtig gut gemacht ist, erlebt man Unterhaltung auf ganz hohem Niveau – so wie in dem neuen Programm von Andreas Kern und Paul Cibis.

Piano Battle

Die beiden international erfolgreichen Pianisten hüllen den klassischen Klavierwettstreit in ein modernes Show-Gewand. Von einem Hallensprecher in Boxermanier angekündigt, treten sie aus der schwarzen und der weißen Ecke. Paul stellt sich als Romantiker vor, Andreas als der Extrovertierte. Mit augenzwinkerndem Verbalgefecht versuchen sie schon am Anfang, beim Publikum zu punkten. Aber abgerechnet wird erst nach sechs Runden.

Bis dahin ziehen sie alle Register, die ein Show-Format erfordert. Im ersten Durchlauf beeindrucken die Pianisten mit Etüden von Chopin und Skrjabin. Schnell springt der Funke über, nicht nur wegen der Feuerzeuge, die das Publikum zum Abstimmen schwenkt. Für wen mehr Lichter brennen, der darf triumphierend seinen Flügel ein Stück in Richtung Ziellinie schieben. In der zweiten Runde lassen sie es gefühlvoll angehen, mit einem Impromptu von Schubert und dem "Clair de lune" von Debussy. Bei zeitgenössischen Stücken von Moritz Eggert und Peter Feuchtwanger geben sie wieder mehr Gas.

Mitmachen ist auch angesagt. Sechs Zuschauer werden auf die Bühne geholt. Im Rundlauf um die Klaviere sollen sie sich die Anfangstakte von Beethovens "Freude, schöner Götterfunken" zuspielen. Es holpert etwas, die Show verliert an Fahrt – das ist das Risiko. Aber nach diesem kurzen Verschnaufen gilt für die Pianisten nur noch das Motto "Schneller, Weiter, Höher".

In einer Improvisationsrunde greifen sie Musikwünsche des Publikums auf. Verwundert, dass die überwiegend jungen Zuschauer kaum Popsongs nennen, hangeln sich die Pianisten durch die Hits der klassischen Klaviermusik. Dann steigern sie sich in ein direktes Duell mit Auszügen aus Mussorgskis "Bildern einer Ausstellung", miteinander, ineinander, gegeneinander. Und am Schluss gewinnt …

"Piano Battle" ist perfekt auf ein jüngeres Publikum abgestimmt. Der Abend wird in englischer Sprache moderiert, man spricht sich mit Vornamen an. Im Vordergrund steht nicht die künstlerische Leistung, sondern der Unterhaltungswert. Aber wie so oft steckt hinter dem scheinbar Leichten umso mehr Arbeit. Die anderthalb Stunden plus Zugabe sind jedenfalls einfach mitreißend.

(wa/tr)

Link:

http://www.pianobattle.com/

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