Berlin – Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) sieht die klassische Musik in Deutschland im Aufwind. "Ich bin überzeugt, dass wir gerade den Beginn einer Trendwende im Klassikbereich erleben", sagte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens am Dienstag in Berlin. Die öffentlich geförderten Orchester und Rundfunkensembles hätten in der Spielzeit 2015/16 rund 13.800 Veranstaltungen geboten. Das sei ein Anstieg um etwa zehn Prozent gegenüber der letzten Erhebung 2013/14.
Von den Sinfonie- und Chorkonzerten, die traditionell den größten Teil ausmachten, gab es demnach 5.800. Die musikpädagogischen Veranstaltungen lägen mit knapp 5.100 bereits nahe dran. In diesem Bereich hätten die Orchester ihr Engagement um mehr als 20 Prozent gesteigert. "Damit tun sie enorm viel für das junge Publikum von heute", sagte Mertens.
In Deutschland wurden noch nie so viele Konzertsäle eröffnet, gebaut oder saniert wie heute, erklärte er. Konzerte, klassische Livemusik in Theatern und bei Festivals hätten 18,2 Millionen Menschen angezogen – das seien etwa 40 Prozent mehr Besucher als bei den Spielen der ersten Fußball-Bundesliga. Der Anteil der 20- bis 29-jährigen Konzert-Besucher sei aktuell höher als die Gruppe von 50 bis 59 Jahren.
Gleichwohl ist die Zahl der öffentlich finanzierten Konzert-, Theater-, Kammer- und Rundfunkorchester laut DOV seit 1992 von 168 auf 130 zurückgegangen. Die Zahl der Planstellen für Orchestermusiker sank von 12.159 auf 9.816. Bund und Länder haben im Dezember 2016 beschlossen, die Aufnahme der Theater- und Orchesterlandschaft als Immaterielles Kulturerbe der Unesco zu beantragen.
(wa, mit dpa)
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