Donnerstag, 31. Januar 2013 / 23:15 – 00:00 Uhr
Bayerisches Fernsehen
Konzertfilm (Deutschland 2011) In weiß gekleidet stehen 40 Sängerinnen und Sänger vor einem Rundhorizont. Auf den Chor und die Wände werden Bilder von versunkenen Orten projiziert. In eindrucksvollen Harmonien, die unter die Haut gehen, beschwören die Stimmen den Mythos von der Ostseestadt Vineta. Der Legende nach versank Vineta vor tausend Jahren während einer Sturmflut im Meer.
Selbst wer kein Fan von Gesang ist, wird von dieser Musik mitgerissen. Rasch fangen einen die Stimmen ein, in die man sich fallen lassen kann. Beeindruckend sind auch die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten der Sängerinnen und Sänger. An manchen Stellen fragt man sich, welches Instrument wohl gerade mitspielt – um im nächsten Moment zu realisieren, dass doch alle Musik von dem Chor kommt.
Mit einer spannungsreichen Kombination aus Gesang, Erzählung und projizierten Bildern geht "Vineta" neue Wege in der Präsentation von klassischer und zeitgenössischer Musik. Die Farben und Worte lenken nicht von den Klängen ab, sondern bilden eine atemberaubende Symbiose. Durch die Intensität der Klänge und die starke Wirkung der Bilder entsteht ein ganz eigenes audiovisuelles Gesamtkunstwerk.
Die Musik stammt von Johannes Brahms, Alfred Schnittke, Frank Martin, Eriks Esenvals und Jaakko Mäntyjärvi. Dazu hat der Filmautor und Sounddesigner Clemens Prokop Bilder von bedrohten, untergegangenen oder untergehenden Orten und Kulturen gemacht. Seine "Vokalen Visionen" zeigen Angkor Wat, Pompeji und die japanische Stadt Sendai, die von dem Tsunami 2011 betroffen war. Aus dem Off sind Zwischentexte zu hören, gelesen von Udo Wachtveitl.
Der Sage nach lebten die Bürger der durch Handel reich gewordenen Stadt Vineta in Saus und Braus. Sämtliche Warnungen schlugen sie in den Wind. Am Ende mussten sie ihr Treiben mit dem Leben bezahlen, als eine Sturmflut die Stadt verschluckte. Und noch heute kann man, wenn die Sonne günstig steht, die Schemen Vinetas im Nebel sehen …
(wa)