Berliner Staatsoper feiert Richtfest – Vom Sanierungsdesaster zum Vorzeigebau

09. Juli 2015 - 14:19 Uhr

Berlin – Auf der Baustelle der Berliner Staatsoper ist am Donnerstag Richtfest gefeiert worden. "Wir machen die Staatsoper für die nächsten hundert Jahre fit", sagte Bausenator Andreas Geisel. Das bedeute Spitzenakustik, ausgefeilte Technik und beste Bedingungen für das Ensemble von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim. Die Sanierung zieht sich seit Jahren hin – mit steigenden Kosten in Millionenhöhe. Doch jetzt soll das Haus Unter den Linden ein Vorzeigebau werden.

Staatsoper Außenansicht

Staatsoper Außenansicht

Kulturstaatssekretär Tim Renner bemerkte, im sanierten historischen Gewand entstehe ein hochmodernes Theater. So sei die Decke im Zuschauerraum so weit erhöht worden, dass die Musik "nach Wagnerschen Maßen" ganze 1,6 Sekunden nachhallen könne. Ursprünglich sollte das Opernhaus 2013 für das Publikum öffnen, nach heutigem Stand wird es jetzt der 3. Oktober 2017. Im Berliner Abgeordnetenhaus beschäftigt sich inzwischen ein Untersuchungsausschuss mit der Sanierung.

Wichtige Ziele sind laut Geisel bisher erreicht: Der Zuschauerraum ist renoviert, die historische Decke fertig, das Gebäude gegen Grundwasser abgedichtet. Auch die Bühnen- und Haustechnik wurde erneuert und der Orchestergraben erweitert. Der unterirdische Verbindungsbau zwischen den Probebühnen und dem Opernhaus ist ebenfalls fertig. Ab Herbst 2016 soll das Ensemble, das zur Zeit im Schiller Theater spielt, schrittweise in das Intendantengebäude und in das Probezentrum ziehen.

Lange war offen, wann Richtfest gefeiert werden kann. Die Sanierungsarbeiten zogen sich in die Länge und sind zur Zeit vier Jahre im Verzug. Wegen Pleiten, Planungspannen sowie Schwierigkeiten mit dem morastigen Grund stiegen die Kosten von 239 auf inzwischen rund 400 Millionen Euro. Davon trägt der Bund 200 Millionen Euro, den Rest muss das Land Berlin bezahlen.

Die Opposition wirft dem Senat bei den Planungen Schönfärberei und Chaos vor. Die Bauverwaltung hatte die Verzögerungen unter anderem mit der überraschend schlechten Bausubstanz des Opernhauses begründet. Bei dem Aushub für den unterirdischen Verbindungsbau waren Arbeiter auf Holzreste der mittelalterlichen Berliner Stadtmauer gestoßen. Der Tunnel musste neu geplant und mit zusätzlichem Beton stärker gegen das Grundwasser isoliert werden.

(dpa/MH)

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