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Weltweit erfolgreich ohne Skandale – Zum Tod von Opernregisseur Nikolaus Lehnhoff

27. August 2015 - 18:48 Uhr

Berlin – Noch im Mai hatte seine "Turandot"-Produktion zur Weltausstellung in Mailand an der Scala Premiere. Ob in Frankreich oder an der Metropolitan Opera in New York, in Zürich oder Amsterdam – Nikolaus Lehnhoff war einer der gefragtesten Regisseure. Nach langer Krankheit ist Lehnhoff am vergangenen Samstag im Alter von 76 Jahren in Berlin gestorben, wie seine Familie am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Nikolaus Lehnhoff

Nikolaus Lehnhoff

Kaum ein Opernregisseur hat so präzise seine Figuren geführt, so genau die Wirkung der Bilder eingeschätzt wie Nikolaus Lehnhoff. Wo sich andere Regisseure in Konzepte hineinsteigerten, bewahrte sich Lehnhoff stets das Gefühl für das Ganze. Für Skandale war er nicht zu haben.

Sein Handwerk lernte er bei Wieland Wagner (1917-1966) in Bayreuth, bei Gustav Rudolf Sellner an der Deutschen Oper Berlin und als Assistent an der Metropolitan Opera in New York. Schon sein Regiedebüt 1972 an der Grand Opera in Paris wurde zum fulminanten Erfolg. Mit Richard Strauss' "Frau ohne Schatten" und Gesangsstars wie Christa Ludwig, Walter Berry, Leonie Rysanek und James King sowie Karl Böhm als Dirigenten zeigte Lehnhoff bereits damals seine Stilsicherheit.

Es folgten Regieaufträge in aller Welt, von Tokio bis Rio de Janeiro, von Düsseldorf bis Chicago. Der promovierte Theater- und Musikwissenschaftler konnte dabei sein besonderes Interesse für Literatur und Bildende Kunst ausleben. Für die Bühnenbilder arbeitete er mit Künstlern zusammen, etwa mit Heinz Mack (in Wagners "Tristan" in Orange), der amerikanischen Popart-Künstlerin Suzan Pitt für eine "Zauberflöte" in Wiesbaden oder mit Günther Uecker für einen Bremer "Fidelio". Für diese Produktion bat er auch Hans Magnus Enzensberger, die Dialoge neu zu schreiben. Die Initiative wurde allerdings weder vom Publikum noch von der Kritik honoriert.

Doch Lehnhoff suchte weiter. In San Francisco ließ er Wagners "Ring des Nibelungen" in einer Caspar-David-Friedrich-Welt spielen. Zu seinen Sensationserfolgen gehörten ein Janacek-Zyklus in Glyndebourne sowie Wagners "Meistersinger" an der Scala in Mailand. Mit Wolfgang Sawallisch brachte er 1992 in München Wagners Tetralogie in einer Woche auf die Bühne und setzte dabei auf Erich Wonders futuristische Bilder.

Auch widmete sich Lehnhof den Komponisten des 20. Jahrhunderts, allen voran Hans Werner Henze, mit dem er in München den "Prinz von Homburg" produzierte. Für Henzes "Boulevard Solitude" am Londoner Royal Opera House 2001 wurde Lehnhoff mit dem Laurence Olivier Award ausgezeichnet.

Ob "Turandot" in Amsterdam, Poulenc' "Dialogues des Carmélites" in Hamburg, dem Salzburger "Fidelio" mit den Berliner Philharmonikern oder sein "Rigoletto" in Dresden – für das in den USA als "Eurotrash" verpönte Regietheater war Lehnhoff nicht zu haben. Er verweigerte sich einer allzu oberflächlichen Wirkung, konnte aber dabei umso tiefer in die Seele der Figuren tauchen. "Er hält zusammen, wo andere polarisieren, ein unbedingter Profi alter Schule", schrieb "Die Welt" anlässlich seines 70. Geburtstages.

So konnte er für seinen sensiblen Umgang mit den Sängern große Solisten gewinnen, etwa Nina Stemme zuletzt für die "Turandot" an der Scala, Waltraud Meier für eine Salzburger "Elektra" oder Anja Silja für die umjubelte "Jenufa" an der Deutschen Oper in Berlin – "eine perfekte Aufführung aus fast schon vergangenen Opernzeiten", wie die "Süddeutsche Zeitung" damals schrieb.

(Von Esteban Engel, dpa/MH)

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