Regisseur Hermanis nicht für "Lohengrin" nach Bayreuth

19. Dezember 2016 - 13:17 Uhr

Bayreuth – Der wegen seiner Aussagen zur Flüchtlingspolitik umstrittene Regisseur Alvis Hermanis hat Verhandlungen über eine Inszenierung in Bayreuth beendet. "Er hat mitgeteilt, dass er das nicht machen möchte", sagte der Sprecher der Bayreuther Festspiele, Peter Emmerich, am Montag. Der Lette war für den "Lohengrin" 2018 im Gespräch gewesen. Nun solle es auf dessen amerikanischen Kollegen Yuval Sharon hinauslaufen, sagte Emmerich. Ein Vertrag sei aber noch nicht unterschrieben. Zuerst hatte die "Welt" darüber berichtet.

Alvis Hermanis

Alvis Hermanis

Aus Protest gegen das Eintreten für Flüchtlinge des Thalia Theaters hatte Hermanis im vergangenen Jahr eine geplante Inszenierung in Hamburg abgesagt. Er halte das humanitäre Engagement für falsch und wolle damit nicht in Verbindung gebracht werden, begründete er damals. Die deutsche Begeisterung, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen, sei extrem gefährlich für ganz Europa, weil unter ihnen Terroristen seien.

Diese Äußerungen hätten allerdings höchstens mittelbar Einfluss auf das Ende der Verhandlungen mit Bayreuth gehabt, sagte Emmerich am Montag. Die Festspiele hätten sie zur Kenntnis genommen. "Das hätte Schwierigkeiten in der Außenwirkung geben können. Die Geschichte ist in Bayreuth mitzudenken, das wissen wir auch aus der jüngeren Geschichte."

Bayreuth hat bereits einige Skandale mit politischem Kontext hinter sich. Nicht nur, dass die Wagner-Familie selbst zur NS-Zeit mit Adolf Hitler eng verbandelt war. Vor vier Jahren musste Evgeny Nikitin gehen, denn ältere Filmaufnahmen zeigten den russischen Opernsänger als Mitglied einer Metal-Band – mit einer Tätowierung auf dem Oberkörper, die stark nach einem Hakenkreuz aussah. Das verdächtige Tattoo hatte sich Nikitin zwar schon längst überstechen lassen. Dennoch baten die Festspiele den Sänger zum Rapport, der sich danach zur Abreise aus Bayreuth entschloss, wie es hieß. Wenige Wochen später beteuerte Nikitin, die Filmaufnahmen seien missinterpretiert worden.

Im November 2014 kam es dann mit dem Künstler Jonathan Meese zum Bruch. Meeses Pläne für den "Parsifal" seien nicht zu finanzieren, hieß es in Bayreuth. Wagner-Anhänger jedoch hatten andere Befürchtungen: Der Provokateur arbeitet schließlich immer wieder mit NS-Symbolik. Dass er bei einem Auftritt in Kassel den Hitlergruß machte, brachte ihn sogar vor Gericht – er wurde allerdings freigesprochen.

Der Lette Hermanis machte jedoch nicht nur durch seine kritischen Aussagen zur deutschen Flüchtlingspolitik negative Schlagzeilen. Im Sommer war seine Inszenierung von Richard Strauss' "Die Liebe der Danae" bei den Salzburger Festspielen nicht gut angekommen. "Er wurde verrissen", sagte Emmerich. "Es ist Spekulation – aber vielleicht wollte er eine Ruhepause." Der multimedial arbeitende US-Amerikaner Sharon hingegen brachte im Badischen Staatstheater in Karlsruhe eine umjubelte "Walküre" auf die Bühne.

(dpa/MH)

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