Die Callas-Fabrik – Leidenschaft und Leiden junger Sänger

24. August 2011 - 15:56 Uhr

Samstag, 27. August 2011 / 21:50 – 22:55 Uhr
3sat

Die renommierte Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart ist eine von 30 staatlichen Einrichtungen in Deutschland, an denen klassischer Gesang gelehrt wird. Junge Gesangstalente aus der ganzen Welt bewerben sich hier. Wer die Aufnahmeprüfung geschafft hat, unterwirft sich hartem Drill und einem durchorganisierten Stundenplan – und ist dennoch auf sich alleine gestellt. Nur wer an sich glaubt und den Applaus liebt, hält es aus, von den Lehrern permanent beurteilt und kritisiert zu werden. Filmemacher Christian Romanowski hat sechs ganz unterschiedliche Gesangs-Studenten über ein Jahr lang begleitet auf ihrem Weg in die professionelle Existenz eines Berufssängers.

Evelin vor der Prüfung

Zum Beispiel Evelin. Aufgewachsen ist sie auf einem Bauernhof in Kroatien, doch auch hierher gelangte die Kunde vom Mythos Maria Callas. Inzwischen gilt Evelin an der Stuttgarter Hochschule als karriereverdächtig; ihre Eltern sind stolz auf ihre Tochter, die sich mit einer Mischung aus Naivität und Beherztheit die Gunst der strengen Dozenten ersingt. "Ich könnte eigentlich den ganzen Tag singen", sagt Dionysios, "ich habe mich in die Klassik verliebt". Eine unvermutete und eigentlich zufällige Liebe. Weil der in Stuttgart geborene Grieche nicht an der vorgesehenen Oberschule aufgenommen wurde, musste er auf ein musisches Gymnasium gehen, und hörte zum ersten Mal in seinem Leben Beethoven, Schubert und Schumann.

Rebeccas Vater, ein begeisterter Opernbesucher, bedauert noch immer, dass die schulisch so begabte Tochter Gesang und nicht Jura studiert. Doch Rebecca hat Traumrollen, in denen sie einmal auftreten möchte. Und sie hat für sich herausgefunden: "Singen ist nicht nur Singen, sondern ein Körperempfinden." Christopher hätte nicht Jura studieren können, da er kein Abitur hat, er ist Legastheniker, und musste für die Aufnahme in die Hochschule für Musik eine Begabtenprüfung ablegen. Der junge lyrische Tenor lässt einen die Leiden nachempfinden, die ein Gesangssüchtiger durchlebt, bis er den Bescheid: "Bestanden" in den Händen hält.

Das war Tanja bei ihrer ersten Aufnahmeprüfung nicht vergönnt. Doch man kann die Prüfung wiederholen. "Ich war nur froh, dass es nicht am Gesang gelegen hat". Es muss nämlich auch Klavier gespielt und noch eine Theorieprüfung abgelegt werden, und nicht selten scheitern die schönsten Stimmen, die musikalisch Begabtesten an der Theorie.

(pt)

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