Leipzig/Berlin (MH) – Ein wissenschaftliches Forschungsprojekt soll Unrechtserfahrungen im Thomanerchor seit 1945 untersuchen. Ziel sei es, körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt an männlichen Kindern und Jugendlichen aufzuarbeiten und deren Leid anzuerkennen, teilte die Stadt Leipzig am Mittwoch mit.
Betroffenen soll die Möglichkeit gegeben werden, das Erlebte in einem geschützten Rahmen zu schildern. Hierfür wurde ein Online-Zeitzeugenportal an der Universität Leipzig eingerichtet. Untersucht werden soll auch, unter welchen institutionellen, pädagogischen und sozialen Bedingungen Grenzverletzungen möglich waren und welche Strukturen Übergriffe begünstig haben. Zudem soll betrachtet werden, wie mit entsprechenden Erfahrungen und Hinweisen umgegangen wurde.
Die Zeit in dem Chor sei für Generationen ehemaliger Thomaner mit prägenden Erinnerungen an Musik Ausbildung, Freundschaften und Gemeinschaft verbunden, hieß es. Doch es sei auch bekannt, dass nicht alle Erlebnisse positiv waren. "Der Thomanerchor und die Stadt Leipzig als seine Trägerin übernehmen mit der Studie Verantwortung dafür, auch diesen Teil der Geschichte in den Blick zu nehmen", sagte Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke).
Der Leipziger Thomanerchor blickt auf eine mehr als 800-jährige Geschichte und zählt zu den ältesten Knabenchören Europas.
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(wa)
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