Dirigent Herbert Blomstedt mit 99 Jahren gestorben

04. November 2026 - 19:28 Uhr

München/Berlin (MH) – Herbert Blomstedt ist tot. Der Dirigent starb am Mittwoch "friedlich im Kreise seiner Familie in seinem Zuhause in Göteborg, Schweden", wie sein Management "mit großer Trauer" in München mitteilte. Er wurde 99 Jahre alt.

Herbert Blomstedt (1927-2026)

Blomstedt galt als dienstältester aktiver Dirigent der Welt. Immer wieder habe er davon gesprochen, bis zu seinem 100. Geburtstag und darüber hinaus dirigieren zu wollen, hieß es weiter. "Seine Liebe zur Musik und das Bedürfnis, sie mit dem Publikum zu teilen, waren ungebrochen. Zunehmende gesundheitliche Einschränkungen machten ihm das Dirigieren jedoch zuletzt unmöglich und zwangen ihn, seine Engagements der letzten Monate abzusagen."

"Mit Herbert Blomstedt verliehen wir einen der größten Musiker unserer Zeit und einen außergewöhnlichen Menschen", sagte der Direktor des Gewandhauses zu Leipzig, Andreas Schulz. "Seine Güte, seine Wahrhaftigkeit und seine unerschütterliche Hingabe an die Musik werden uns für immer Vorbild bleiben. Wir verneigen uns in Dankbarkeit vor seinem Lebenswerk.“

Blomstedt prägte in seiner langen Karriere als Chefdirigent renommierte Orchester – neben dem Gewandhausorchester Leipzig (1998-2005) etwa auch die Staatskapelle Dresden von 1975 bis 1985 und das San Francisco Symphony Orchestra (1985-1995). "Ich habe nie im Leben eine Chefposition gesucht oder mich dafür beworben. Sie sind immer zu mir gekommen. Das stimuliert das Selbstgefühl", erklärte er einmal selbst.

Blomstedt wurde 1927 in den USA als Sohn schwedischer Eltern geboren. Seine Mutter war Pianistin und gab ihm ersten Musikunterricht. Nach seinem Vater, einem Prediger, hätte Blomstedt auch Theologie studieren können. Er entschied sich jedoch für die Musik und studierte Geige in Stockholm, später auch Dirigieren, unter anderem bei Leonard Bernstein. 1954 debütierte er am Pult des Philharmonischen Orchesters Stockholm.

Der Dirigent war vielen bedeutenden Orchestern auch als häufiger Gast verbunden, darunter die Bamberger Symphoniker, die Wiener Philharmoniker und das Philharmonische Orchester Oslo, die ihn sämtlich zu ihrem Ehrendirigenten ernannten. Für seine Leistungen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen wie das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, den Opus Klassik für sein Lebenswerk und zuletzt im Oktober 2026 den "Praemium Imperiale" des japanischen Kaiserhauses, den weltweit wichtigsten Kunstpreis.

"Die Musik soll sprechen – ich sehe meine Aufgabe darin, dass die Musik möglichst viel sagt, ich möglichst wenig", beschrieb Blomstedt selbst sein künstlerisches Credo.

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(wa)

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