Wagner in israelischem Radio – Sender entschuldigt sich

03. September 2018 - 11:05 Uhr

Jerusalem – Ein israelischer Musiksender hat sich entschuldigt, weil er den Boykott des deutschen Komponisten Richard Wagner gebrochen hat. Der Sender Kan Kol Hamusika hatte einen Ausschnitt der Wagner-Oper "Götterdämmerung" gespielt und daraufhin Beschwerden von Hörern bekommen. Eine Sprecherin des öffentlichen Senders Kan sagte am Montag, es handele sich um einen Fehler des zuständigen Redakteurs. Wagner ist in Israel als Antisemit und Lieblingskomponist des NS-Regimes verpönt.

Richard Wagner

Richard Wagner

Es gebe eine klare Anweisung, Werke Wagners (1813-1883) nicht zu spielen, aus Verständnis für "den Schmerz, den eine solche Ausstrahlung bei den Holocaust-Überlebenden unter unseren Hörern auslöst", teilte die Sprecherin mit. Der Klassiksender Kan Kol Hamusika gehört zu der öffentlichen Rundfunkanstalt Kan.

Viele Israelis leisten bis heute erbitterten Widerstand gegen die öffentliche Aufführung von Wagners Werken, weil sie ihn wegen seiner antisemitischen Positionen und seiner Beliebtheit während des NS-Regimes ablehnen. Ein 1938 ausgesprochener Boykott wurde schon mehrfach gebrochen, es gab jedoch in Israel nie ein vollständiges Sinfoniekonzert mit seinen Werken. Eine kleine Gruppe von Musikliebhabern und Dirigenten kämpft hartnäckig dafür, dass Wagners Werke öffentlich gespielt werden dürfen.

(dpa/MH)

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