Schostakowitsch-Tage präsentieren Uraufführung

15. Februar 2017 - 17:42 Uhr

Dresden/Gohrisch – Die Internationalen Schostakowitsch-Tage in Gohrisch (Sächsische Schweiz) warten in diesem Jahr mit Raritäten auf und bieten ihrem Publikum gleich vier Uraufführungen. Wie Festivalchef Tobias Niederschlag am Mittwoch bekanntgab, ist darunter sogar ein Stück von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975). Dabei handelt es sich um drei Orchester-Zwischenspiele, die er für seine Oper "Die Nase" komponierte. Sie fanden am Ende aber doch keine Verwendung und waren erst 2015 wiederentdeckt worden. Der Dirigent Thomas Sanderling, der Schostakowitsch selbst kannte, bringt sie nun am 25. Juni zu einer späten Uraufführung.

Dmitri Schostakowitsch

Dmitri Schostakowitsch

Auch bei ihrer 8. Ausgabe (22. bis 25. Juni) widmet sich das Festival nicht nur der Musik seines Namensgebers. Mit Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) und Sofia Gubaidulina stehen zwei weitere Komponisten im Fokus, die mit Schostakowitsch bekannt waren. Weinberg, ein russischer Komponist mit polnischen Wurzeln, hatte sich selbst einmal als Schüler von Schostakowitsch bezeichnet, obwohl er keinen Unterricht bei ihm nahm. Seit einigen Jahren schon wird Weinbergs umfangreiches Werk wiederentdeckt. Von ihm gibt es in Gohrisch zwei Uraufführungen. Eine weitere stammt von Sofia Gubaidulina, die momentan eng mit der Staatskapelle Dresden zusammenarbeitet.

Die Musiker der Staatskapelle, die wie alle anderen Gäste in Gohrisch auf eine Gage verzichten, bestreiten in diversen Besetzungen auch 2017 das Programm und werden dabei von namhaften Solisten unterstützt. So reisen unter anderen das renommierte Raschér Saxophone Quartet, der Geiger Dmitri Sitkovetsky und der Pianist Alexander Melnikow in die Sächsische Schweiz.

Erstmals ist auch große Schostakowitsch-Sinfonik ein Teil des Festivals. Denn am Vorabend des ersten Konzertes in Gohrisch spielt die Sächsische Staatskapelle Dresden in der Semperoper unter Leitung von Gennadi Roschdestwenski die 1. und die 15. Sinfonie Schostakowitschs.

Im Juli 1960 hatte er in Gohrisch sein 8. Streichquartett komponiert. Es gilt als eines der zentralen Kammermusikwerke des 20. Jahrhunderts und ist zugleich das einzige Stück, das er außerhalb seiner sowjetischen Heimat schrieb. In Gohrisch befand sich früher ein Gästehaus des DDR-Ministerrates. Dort machten neben Staatsführern auch Künstler und Geschäftsleute Urlaub. Schostakowitsch erholte sich zweimal in der reizvollen Umgebung mit markanten Felsen wie dem Papststein oder dem Pfaffenstein. Beim letzten Aufenthalt 1972 hatte ihn auch Thomas Sanderling dort besucht. Dessen Vater, der Dirigent Kurt Sanderling (1912-2011), war mit Schostakowitsch befreundet.

Die Internationalen Schostakowitsch-Tage in Gohrisch sind inzwischen auch außerhalb der sächsischen Landesgrenzen bekannt und ziehen sogar Publikum aus dem Ausland an. Musiziert wird dort in einer Konzertscheune, manchmal auch auf Feld und Flur.

(dpa/MH)

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