Andris Nelsons – Maestro ohne Allüren

26. März 2020 - 10:00 Uhr

Donnerstag, 26. März 2020 / 23:05 – 23:35 Uhr
MDR Fernsehen

Dokumentation (Deutschland 2020, Erstausstrahlung) Würde Andris Nelsons beim Dirigieren ein Fußballtrikot tragen, dann wohl die Nummer 21. Denn der aktuelle Gewandhauskapellmeister, der unter anderen Umständen vielleicht ein Fußballer geworden wäre, ist seit 2018 der 21. Chef beim ältesten bürgerlichen Orchester der Welt. Hier in Leipzig reiht er sich in die lange Tradition berühmter Gewandhauskapellmeister ein, darunter Felix Mendelssohn Bartholdy, Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler, Kurt Masur oder Herbert Blomstedt.

Andris Nelsons

Andris Nelsons

Schon mit Anfang 40 gehört Nelsons zu den ganz großen Dirigenten unserer Zeit. Die Presse bezeichnet ihn als "Maestro auf der Überholspur" – mit Blick auf seine atemberaubende Karriere, die nicht nur in Leipzig, sondern auch in Boston, Wien oder Berlin spielt.

Das Filmporträt zeichnet die steile Karriere des jungen Letten nach: Die musikalischen Anfänge in seiner Geburtsstadt Riga, seine Ausbildung zum Trompeter, seine Entscheidung für das Dirigieren, seine erste Stelle als Chefdirigent an der lettischen Nationaloper im Alter von nur 24 Jahren, weitere Stationen in Herford und seit 2014 ist er Chefdirigent beim Boston Symphony. Sein dortiger Vertrag läuft noch bis 2022, parallel zum Amt des Gewandhauskapellmeisters.

Nelsons ignoriert den Hype um seine Person. Ob beim Applaus oder bei öffentlichen Terminen: Jenseits der Musik wirkt er bescheiden zurückhaltend, manchmal fast verlegen – ein Charakterzug, der ihm sowohl beim Publikum als auch bei den Musikern viel Sympathie einbringt. Jenes verschmitzt-glückselige Lächeln, das er nach seiner ersten "Walküre" am Opernhaus Riga 2002 gezeigt hat, als er auf Fragen lediglich: "I’m just full of music." von sich geben konnte, dieses Lächeln und das innere Leuchten, dieses Staunen über die Unermesslichkeit der Musik, das hat er sich bewahrt.

(pt/MH)

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