Gütesiegel "Carusos" für Kitas gestartet – Opernsänger als Paten

28. September 2011 - 09:45 Uhr

Eine neue Initiative zur Förderung der musikalischen Bildung von Kindern hat Opernsänger Hanno Müller-Brachmann am vorigen Freitag vorgestellt. Der Vorsitzende des Bundeswettbewerbs Gesang Berlin sowie zahlreiche Preisträger übernehmen künftig Patenschaften für Kindergärten. Das erste Qualitätssiegel "Carusos" verliehen Müller-Brachmann und der Präsident des Deutschen Chorverbandes, Henning Scherf, bei der Messe chor.com an den Kindergarten St. Meinolfus in Dortmund.

Hanno Müller-Brachmann (r.)

Die "Carusos"-Paten sollen den Jüngsten einen Eindruck von ihrem Beruf vermitteln, mit ihnen singen und Proben oder Aufführungen besuchen. Auch Müller-Brachmann hat dies getan: In einer Berliner Kita zeigte er den Kindern sein Papageno-Kostüm und führte sie hinter die Kulissen der Oper, wo die Kleinen bei Maskenbildnern, Perückenknüpfern, Technikern, Tänzern, Sängern und Kostümbildnern aus dem Staunen nicht mehr herauskamen. "Kinder saugen alles auf wie ein Schwamm, ob man ihnen einen Gameboy in die Hand drückt oder eine Flöte. Die Gesellschaft ist hier in der Pflicht zu selektieren und den Jüngsten einen Weg zur klassischen Bildung zu weisen", erklärte Müller-Brachmann.

Die Initiative will auch auf die prekäre bildungspolitische Situation aufmerksam machen. Dazu zählen die Halbierung des Musikunterrichts an Oberschulen, ein Aufnahmestopp für Musikschüler und die Kündigung der Lehrerverträge an den Musikschulen. Die Lage ist nicht nur in Berlin sehr ernst. Ein offener Brief aller Berliner Chefdirigenten blieb ungehört. Daher beschloss Hanno Müller-Brachmann, etwas zu unternehmen. Er begann mit dem Kindergarten seiner eigenen Kinder und wünscht sich nun, dass auch andere auf den Zug aufspringen: "Unsere Patenschaft ist keinesfalls exklusiv. Wir verstehen uns vor allem als Vorreiter für andere Musikschaffende in Deutschland, die genau das auch tun können: mit ihren Instrumenten oder Kostümen in die Kitas gehen, mit den Kindern singen, ihnen Kultur im wahrsten Sinne des Wortes einfach nahe bringen. Jeder kann das."

Die Auswirkungen der Bildungsmisere zeigen sich auch im Gesang: Die Qualität der Bewerber an deutschen Opernhäusern lässt nach, zu wenig Absolventen bringen das erforderliche Niveau mit. Und das, obwohl Deutschland die höchste Musikhochschuldichte weltweit besitzt. Viele der Education-Projekte, die sich in den vergangenen Jahren an nahezu allen Häusern etabliert haben, richten sich an Jugendliche im Alter ab 14 Jahren. "Viel zu spät", findet das Hanno Müller-Brachmann, "wir müssen schon frühzeitig den Samen setzen, um Kinder für klassische Musik und Kultur im Allgemeinen zu begeistern."

Dass dieser Samen auf fruchtbaren Boden fällt, macht der Deutsche Chorverband bereits mit seinem bekannten Qualitätssiegel "Felix" möglich. So entstand die Idee der Kooperation für die "Carusos"-Patenschaften, bei denen die besten deutschen Sänger mit den singenden Kindergärten zusammengebracht werden.

(pt/wa)

http://www.deutscher-chorverband.de/

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