"Anregende Erfahrung für Juroren": Meisterkurs der Telekom Beethoven Competition

13. Dezember 2015 - 20:04 Uhr

Bonn (MH) – "Quietschen sie ruhig ein bisschen rum!" Catherine Vickers nimmt es mit Humor, dass die Oboistin sich nicht einspielen konnte und gibt ihr erst mal ein wenig Zeit. Katharina Dreymann nimmt mit ihrer Klavierpartnerin Anne Wissing an einem Meisterkurs teil, den die Telekom Beethoven Competition für Schüler der Bonner Musikschule anbietet. Da geht es zwar in erster Linie um den pianistischen Nachwuchs, doch einige Teilnehmer haben ihre Kammermusikpartner mitgebracht, mit denen sie sich gerade auf den Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" vorbereiten.

Die Dozentin probiert dann aber auch mit der Oboistin sehr konkret am Notentext des ersten Satzes von Francis Poulencs Sonate für Oboe und Klavier. Konzentriert hört sie zu und macht sich Notizen in die Noten, während die beiden Musikerinnen den Satz komplett spielen. Bald hat sie herausgearbeitet, wie die solistisch einsetzende Oboe mit der ersten Phrase eine ungeheure Spannung aufbaut, die sich schließlich in einem Klavierakkord löst. Da kommt es auf genaues Timing an, eine Achtelpause ist entscheidend. Und tatsächlich, nach einigen Versuchen klingt die Passage komplett anders. "Weiter, wunderbar, wunderbar" ruft Vickers ganz enthusiastisch, als Dreymann und Wissing es hinbekommen – ein erster Erfolg nach nur wenigen Minuten gemeinsamer Arbeit ganz ohne Berührungsängste oder Standesdünkel.

Zum ersten Mal bot der Klavierwettbewerb diese für Schüler wie Lehrer spannende Form der Zusammenarbeit an. Eine Chance, die Doris Bischler, die Leiterin der Bonner Musikschule, nicht verstreichen lassen wollte. "Ich finde das ganz toll, dass überhaupt das Interesse in der Jury so groß war", freut sie sich. Auch die Schüler wollten ihre Chance nutzen. "Wir haben die fortgeschrittendsten Schüler gefragt und keiner hat nein gesagt", so Bischler. Pianist Joshua Gehlen ist zusammen mit seiner Schwester gekommen, der Klarinettistin Luisa Gehlen. "Es ist ein ganz neuer Input", freut er sich nach der Arbeit mit Vickers.

In der Pause zwischen zwei Arbeitsrunden plaudern die Teilnehmer mit den Juroren bei Kaffee und Kuchen über Musik. Die vier Jurymitglieder erzählen von den Anfängen ihrer Pianistenlaufbahn. Jurypräsident Pavel Gililov etwa räumt ein, dass auch er nicht immer fleißig war und durchaus mal gestreikt hat. Vickers erzählt, wie sie immer unter dem Flügel saß, wenn ihre Schwester Klavierstunden hatte: "Mir war immer klar, dass ich Pianistin werden will, das habe ich nie bereut." Mit den Eltern habe sie sogar ausgehandelt, später ins Bett gehen zu dürfen, wenn sie übt. Andrea Bonatta fasst zusammen, was an diesem Nachmittag wohl alle eint: "Musik ist eine wunderbare Möglichkeit, sich zu verwirklichen."

Bei Jury und Teilnehmern ist die erste Ausgabe des Meisterkurses so gut angekommen, dass Wettbewerbsveranstalter und Musikschule schon über eine Neuauflage nachdenken. Den Nachwuchspianisten ist das sicherlich zu wünschen, denn wann hat man als Klavierschüler schon mal Gelegenheit, mit so renommierten Pianisten zusammenzuarbeiten? Eine Bereicherung ist es aber auch für die Lehrer: "So viel Frische und Unvoreingenommenheit", sagt Catherine Vickers, sei auch für die Juroren eine anregende Erfahrung.

(Von Guido Krawinkel)

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