Bayreuther Festspiele mit Wagner-Oper "Parsifal" eröffnet

25. Juli 2016 - 23:24 Uhr

Bayreuth/Berlin (MH) – Mit einer Neuinszenierung der Oper "Parsifal" sind am Montag die 105. Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth eröffnet worden. Vor Beginn der Aufführung war auf dem Bühnenvorhang im Zuschauerraum zu lesen: "Die Bayreuther Festspiele widmen die heutige Aufführung allen Opfern der Gewalttaten der vergangenen Tage und ihren Angehörigen."

Festspielhaus Orchestergraben

Festspielhaus Orchestergraben

Die Stimmung am Grünen Hügel war gedämpft, zur Eröffnung kamen deutlich weniger Schaulustige als sonst. Es sei kein Vergleich zu den vergangenen Jahren, sagte eine Polizeisprecherin. Die Flaggen entlang der Auffahrt zum Festspielhaus waren mit Trauerflor versehen. Nach den Anschlägen von Würzburg und München hatte die Stadt den roten Teppich für die Prominenz gestrichen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte den traditionellen Staatsempfang nach der Aufführung ab.

Schon vor Monaten hatten die Stadt Bayreuth und die Festspiele angesichts latenter Terrorgefahr bei Großveranstaltungen ein verschärftes Sicherheitskonzept erarbeitet. Es war mehrfach, unter anderem von Künstlern, kritisiert worden. Auch die Eröffnung wurde von einem großen Polizeiaufgebot gesichert. Einsatzkräfte patrouillierten am Festspielhaus, das von Absperrungen umgeben war. Die Taschen von Besuchern und Zaungästen wurden kontrolliert.

Auf der Bühne im Festspielhaus zeigte Regisseur Uwe Eric Laufenberg das Wagnersche Spätwerk in sakraler Atmosphäre, aber auch mit Anspielungen an die Flüchtlingskrise. Das Geschehen im ersten Aufzug mit der Enthüllung des Heiligen Grals ist in einer Kirche angesiedelt. Dort standen zunächst Feldbetten – einem Flüchtlingslager ähnlich. Später zoomte eine Kamera durch eine Öffnung in der Kuppel hinaus in eine Umgebung, wie sie in Syrien anzutreffen sein könnte, brennende Gebäude waren zu sehen.

Dirigent Hartmut Haenchen dirigierte zügig, der erste Aufzug dauerte etwa eine Stunde und 40 Minuten. Haenchen war nach dem Rückzug von Andris Nelsons erst vor kurzem am Pult eingesprungen. Georg Zeppenfeld sang den Gurnemanz, Ryan McKinny gab einen leidenden Amfortas, blutüberströmt, mit Wundmalen und Dornenkrone. Die Titelrolle verkörperte Startenor Klaus Florian Vogt.

Die Bayreuther Festspiele dauern bis zum 28. August. "Parsifal" ist die einzige Neuinszenierung. Daneben stehen als Wiederaufnahmen auf dem Spielplan: der vierteilige "Ring des Nibelungen" in einer Inszenierung von Frank Castorf, "Der fliegende Holländer", inszeniert von Jan Philipp Gloger, sowie "Tristan und Isolde" in der Deutung der Bayreuther Festspielchefin Katharina Wagner.

(wa, mit dpa)

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